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Texte

Hier finden Sie unsere Programmtexte noch einmal zum Nachlesen. Mit diesen Texten wollen wir sowohl die Werke musikgeschichtlich einordnen als auch die Stringenz unserer Programmkonzeptionen erläutern.





Konzert zum Totensonntag 2007

Eure Trauer soll in Freude verwandelt werden...

Das heutige Konzert geht dem Thema Trauern nach und beschäftigt sich dabei programmatisch mit dem Tod. Verschiedene Facetten über den Umgang mit Trauer, wie man dem Tod be- und entgegnet, werden heute musikalisch-theologisch beleuchtet.

Den Beginn macht die Motette "Komm, Jesu, komm" von J.S. Bach, die sicherlich zu den Perlen der Bachschen Vokalliteratur gehört. In ihr wird der eigene Tod behandelt. Hier liegt aber keine Angst vor, keine Verzweiflung oder Resignation, sondern deren Gegenteil: Zuversicht, fester Glaube, ja Zufriedenheit. Auch im eigenen Bewusstsein, "müde" zu sein oder auf dem "sauren Weg" zu gehen, ist Jesus der "wahre Weg". Tod nicht als Ende, sondern als Pforte zum ewigen Leben. Eine sehr schöne Art, im Glauben, der von der österlichen Auferstehung herkommt, den Tod anzusehen.

Dagegen wechselt der Mittelteil des Konzerts gleich in mehrerer Hinsicht die Blickrichtung: Alle drei Motetten stammen aus dem 20. Jahrhundert. Durch die vorangeschrittene musikalische Entwicklung konnten ihre Komponisten auf neuere Kompositionstechniken und -farben zurückgreifen. Inhaltlich ist hier die Karfreitagsthematik der theologische Aufhänger für die folgenden Kompositionen. Das Leiden und der Tod Jesu werden hier als Anlass genommen, sich selbst zu reflektieren.

Francis Poulenc bedient sich der romantischen Tonsprache für die Komposition seiner Karfreitagsresponsorien. Beide Motetten sind sehr nah am Text komponiert, die Inhalte werden durch Poulencs Musik unmittelbar in Emotionen übersetzt. Die Motette "Timor et tremor" bringt ihren Inhalt direkt zur Sprache: Furcht und Zittern sind überwältigend zu Beginn und schreien regelrecht aus der Musik heraus. Die Angst treibt und verunsichert den Beter. Doch dieser kann seine Angst überwinden, und mit einer Sicherheit, nicht zu "verderben", endet das Werk in Wohlklang.

Wohlklingend beginnt auch die Motette "Vinea mea electa", in der Jesus zu seinem Volk spricht. Die Trauer dieses Stückes liegt in seiner folgenden Frage: "Warum bist du bitter geworden, dass Du mich kreuzigst?" Die Tonsprache dazu ist allerdings alles andere als bitter: Sie ist extrem weich und süß gehalten. Hier liegt keine Angst vor, nein, hier ist der tiefverwurzelte Glaube spürbar, dass sein Weg vorherbestimmt ist, dass sein Tod ihn direkt in den Himmel führt, dass der Tod im Glauben zum ewigen Leben führt. Allein Irdisches macht ihn wütend. Seinen Schutz in Gestalt eines Turmes hat das Volk nicht erkannt, Barrabas hat es freigelassen. All das wühlt ihn mehr auf als sein eigener Tod. Er ist in Gottes Hand.

Mit dem Bußpsalm V von Alfred Schnittke ist das Konzertprogramm am emotionalen Tiefpunkt angekommen. Der Polystilist Schnittke beginnt dieses Werk atonal, also ohne jede konventionelle Melodie. Nur selten werden echte Klänge getroffen. Vorherrschend begegnet uns der sogenannte Tritonus, der größtmögliche Abstand zwischen zwei Tönen. Mit diesen Mitteln verdeutlicht Schnittke das Schwarze, das Dunkle und die Tiefe des Textes. Nur selten leuchtet es aus den Akkorden etwas hervor. Man ist tief ergriffen von der Religiosität dieses Werks. Und: das Ende dieser Motette ist unglaublich. Für das kurze Gebet, in dem Christus angerufen wird, verwendet Schnittke tatsächlich Harmonien, die aus reinsten Akkorden bestehen. Mit diesem unglaublichen Spagat erzeugt dieses Werk von der Tiefe der inneren Zerrissenheit bis zur Zuversicht auch größte Hoffnung.

Den Bogen zurück zu Bach schlägt der "Actus tragicus". Eine Kantate, die mit je zwei Flöten und Gamben wunderbar orchestriert ist. Hier entdeckt man zunächst eine rationale Art, mit Trauer und Tod umzugehen. Das menschliche Leben findet statt "solange er will". Die Ansage "Mensch, du musst sterben" verdeutlicht einem, dass die Menschen nur eine kleine Zeit bestehen. Für diese gefasste Art wählte Bach Texte des Alten Testaments. Doch tiefer in der textlichen Bedeutung erkennt man hinter der Rationalität den innigen Glauben, der das ganze Werk durchzieht. So erkennt man nicht nur im "Actus tragicus", sondern in allen Werken des Abends, dass der Glaube in der Trauer Trost, Kraft und Hoffnung spendet. Aus allen verzweifelten Lagen heraus kann man zum Glauben zurückfinden, der das Umgehen mit Trauer und Tod erleichtert. Bach verwendete für diese glaubens- und hoffnungsvollen Partien interessanterweise Texte des Neuen Testaments. Diese Zuversicht findet ihren Höhepunkt in der Mitte des "Actus tragicus" mit den schon bekannten, fröhlichen Worten in einer wunderbaren Sopranpartie, die den Kreis dieses Programms schließt: "Ja, komm, Herr Jesu!"





Konzert zum Totensonntag 2006

Das heutige Konzertprogramm spannt nicht nur einen großen zeitlichen Bogen über die Musikgeschichte, sondern es ist gleichzeitig ein Streifzug durch die Kirchenmusik verschiedener christlichen Kirchen und Kulturen.

Henry Purcell schuf mit seinen Anthems, also vertonten Gebeten, Gebrauchsmusik für die anglikanische Kirche; sie erfüllten dabei im Gottesdienst eine ähnliche Funktion wie im Protestantismus der lutherische Choral. Die Stücke Remember not, Lord, our offences und Hear my prayer, o Lord sind Bußanthems und entstanden in den Jahren 1680-1682 vermutlich für die Londoner Westminster Abbey. Trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer Schlichtheit bewegt ihr kraftvoller Ausdruck. Letzteres gilt ebenfalls für Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts, ein Satz, der an einen Bach-Choral erinnern mag. Voluntary ist die bedeutendste Orgelkomposition Purcells; er vereint hier Elemente der italienischen und französischen Orgelmusik zu einem neuen Stil.

Quasi zeitgleich, nämlich 1638, entstand im Zentrum der katholischen Kirchenmusik das Miserere von Gregorio Allegri. Allegri hatte es zur Aufführung in der Sixtinischen Kapelle komponiert, wo es bin ins Jahr 1870 während der Karwoche an zwei Tagen zu hören war. Es hatte so an Popularität gewonnen, dass kein Romreisender im 18.Jahrhundert diese Gottesdienste ausließ. Darunter waren berühmte Reisende wie Goethe oder auch der 14-jährige Mozart. Dieser überging das Verbot des Vatikans, das Miserere zu kopieren, und brachte es nach einmaligen Hören aus dem Gedächtnis aufs Papier. Dem Stück liegt ein Psalmtext zugrunde, der der alten Praxis entsprechend im Wechsel von zwei Chören vorgetragen wird. Zurück in England und eine Generation vor Purcell stößt man auf Thomas Tomkins. Bezeichnet man Purcell als ersten Vertreter der neuen Zeit, ist Tomkins der letzte der alten Zeit. Er ist Teil jener Generation britischer Komponisten, die Bedeutendes zur Musik ihrer Epoche beitrugen, bemerkenswerterweise jedoch in einem Stil, der im übrigen Europa zu dieser Zeit schon überholt war. Das Orgelwerk.Fantasy verarbeitet drei verschiedene Themen fugenartig. Das Vokalwerk Woe is me aus 1622 vereint in sich Elemente des alten und aufkommenden neuen Stils - beißende Dissonanzen, kurze Motive, einerseits Wechsel des Metrums, andererseits getragene Melodielinien und gründliche kontrapunktische Arbeit.

Die Motette Komm, Jesu, komm des Protestanten Bachs stellt in dem Programm zum Totensonntag thematisch das zentrale Moment dar. Sie ist ein Gesang der Todeserwartung und zeigt sich darin als eines der tiefsten und ergreifendsten Werke Bachs überhaupt. Philipp Spitta nennt es "ein großartiges wie rührendes Bild innigsten Sterbeverlangens". Bach hatte die Motette 1730 anlässlich des Begräbnisses der Witwe seines Vorvorgängers an der Thomaskirche, Schelle, komponiert. Der vertonte Text ist ein freies geistliches Gedicht, das in zwei Strophen Lebensmüdigkeit und Christusglauben einander gegenüberstellt. Die Motette ist doppelchörig und demonstriert gleich zu Beginn ein vielfältiges, farbenreiches Wechselspiel, wie es nur zwei gegenüberstehenden Chören möglich ist. Die Motette besteht der Struktur des zugrundeliegenden Textes folgend aus zwei Teilen, einem gewichtig-ernsten Kopfsatz und einer zuversichtlich schließenden "Aria". Bachs Wachet auf, ruft uns die Stimme ist eine Transkription des 4.Satzes seiner gleichnamigen Kantate BWV 140. Muss er in der Orgelbearbeitung naturgemäß auf den Text verzichten, malt er hier den Wortgehalt gleichermaßen ausdrucksstark instrumental aus.

An gleicher Stelle wie Bach war Johann Kuhnau, von dem das Tristis est stammt, musikalisch aktiv - als Thomaskantor zwischen dem genannten Schelle und Bach. Kuhnau galt als Universalgelehrter; verfolgte er zunächst erfolgreich die juristische Laufbahn, erarbeitete er sich zeitgleich ein beachtliches Ansehen als Komponist und Organist, ein Ansehen, das ihm zuletzt die Stelle des Thomaskantor eröffnete.

Jehan Alain wiederum war ein Vertreter der französischen katholischen Kirche. In seinem 1935 entstandenen Choral Dorien verarbeitet er eine gregorianischen Melodie zu einem ruhigen, beinah meditativem Choral.

Den Bogen zur Musik der russisch-orthodoxen Kirche schaffen zwei der "Drei geistlichen Gesängen" von Alfred Schnittke. Die Nr.2 erscheint als dramatisches Bittgebet, das geprägt ist von dynamischen Extremen. Eine Vertonung des "Vater unser" stellt die Nr.3 dar, ein harmonisch abwechslungsreiches Stück. Die Stücke entstanden im Auftrag des russischen Dirigenten Valevi Poljanski, den Schnittke nur widerwillig annahm. Wider Erwarten musste Poljanski jedoch nicht lange auf diese Kompositionen warten. Schnittke soll des Nachts erwacht sein mit einer konkreten Vorstellung des zu Komponierenden, brachte es zu Papier und händigte es Tags darauf Poljanski aus

Knut Nystedt ist einer der einflussreichsten norwegischen Komponisten seit dem 2. Weltkrieg; er setzte neue Standards nicht nur als Komponist, sondern auch als Chorleiter, immer auf der Suche nach neuen Klangfarben. In "Peace I leave with you" zeigt sich sein ‚wissender Blick', der eines Kenners von Chorklang und seinen Ausdrucksmöglichkeiten. Im gekonnten Ausschöpfen dieser eröffnet sich uns ein Stück, das auf ergreifende Weise Ruhe und Wärme ausstrahlt. Ein Zitat Nystedts schließt den Kreis des Konzertprorammes: "Meine Wurzeln liegen im Gregorianischen Choral. Auch wenn ich also in einem modernen, experimentellen Stil schreibe, verbinde ich diesen doch mit Elementen einer sehr alten Musik." Die verschiedenen Etappen der christlichen Musikgeschichte also stehen nicht für sich, sondern wie am Beispiel zu sehen, bauen sie aufeinander auf und sind letztlich als ein Ganzes zu sehen.





Konzert zu Epiphanias 2006

Epiphanias - das Erscheinen Christi auf der Welt.

In unserer Kirche feiern wir mit dem Fest des Dreikönigtags das Ende der Weihnachtszeit. Andere Länder, andere Kulturen feiern erst genau an diesem Erscheinungstag das Weihnachtsfest.

Dieses Konzertprogramm hat sich aus diesem Grund zum Ziel gesetzt, auf das Ende der Advents- und Weihnachtszeit hin diese noch einmal musikalisch in der Form einer Art Weihnachtsoratorium zu umspielen

Den Beginn macht die Ankündigung der Geburt Jesu aus Lukas I, 28-38. Hier erfährt Maria vom Engel Gabriel von ihrer bevorstehenden Schwangerschaft. Sie besucht ihre Verwandten Zacharias und Elisabeth und erkennt dort den Geist Gottes. Das ist der Anlaß, in ihren Gesang, das "Magnificat" einzustimmen. Mit Pärts Bogoroditse djevo folgt ein plakativer Lobgesang auf Maria als Mutter des Retters. Das Konzert für Oboe in a-moll bildet den Übergang zum Hirtenteil.

Ab Lukas II, 8 wird von den Hirten erzählt, denen der Engel erscheint, während sie ihre Schafe hüten. "Ihr lieben Hirten" ist der Text des Engels, an den sich direkt der Lobgesang des gesamten Engelschors "Ehre sei Gott in der Höhe" anschließt. Das darauf folgende Konzert für Chor soll hier dafür stehen, wie die Hirten das Geschenk des Lebens bewundern. Den Schluß dieses Blocks bildet die bekannte Melodie "Drei Könige wandern", der der Choral "Wie schön leuchtet der Morgenstern unterlegt ist.

Auf ihrem Weg zu Christus kommen die Könige bei Herodes vorbei und berichten von der Geburt eines neuen Königs in der auserwählten Stadt Bethlehem, wie schon Propheten es berichtet hatten: "Und Du Bethlehem". König Herodes läßt nach diesem neuen König fahnden, um ihn ermorden zu lassen. Da "erschien der Engel" dem Joseph und wies ihn an, nach Ägypten zu fliehen, um das Kind in Sicherheit zu bringen.

Die beiden letzten Werke entstammen nicht der Weihnachtsgeschichte, fassen aber das große Wunder der Geburt Christi noch einmal zusammen. Einmal mit Hammerchmitts "Also hat Gott die Welt geliebt" und einmal mit dem Gebet Christi, dem "Vater unser".